Stattdessen habe ich immer wieder das Gefühl, dass die Menschen um mich herum gerne mal gegen schnippen, absichtlich dagegen treten um zu testen, wie lange es dauert, bis ich tausend kleine
Scherben zerfalle. Durchweg habe ich das Gefühl, in ein tiefes, niemals endendes Loch zu fallen, das so dunkel ist, dass ich nichts sehe und nicht weiß, was es endet. Und mit jedem Tritt, mit jeder Berührung, frage ich mich, ob das Loch tiefer und der Fall damit noch länger und quälender oder mein Fall schneller und der Aufprall schmerzhafter wird und habe Angst, so überraschend aufzuprallen, dass ich den Fall wahr werden lasse, irgendwann. Die kleinsten Dinge lassen es schlimmer werden.Der Gedanke an den 03.03., den ich eines Nachts zu meinem Todesdatum erwählt habe, nur, um dann wieder sämtliche Pläne hinzuschmeißen. Das Ganze ging mehrere Wochen so.
Die Tatsache, dass es nur noch 77 Tage bis zum 13.05. sind - Estelles Todestag. Sobald ich an Estelle denke, denke ich an J. und wenn ich J. denke, wird mir übel. Mit J. verbinde ich auch Nico und dadurch wird mir nur noch übler, beide haben meine (vermutlichen?) Bindungsängste nur noch mehr gestärkt und es deprimiert mich, darauf stolz zu sein, die Freistunde mit F. (und Ka.) verbracht zu haben, ohne etwas zu haben, das einer Panikattacke ähnelt. Das erste Mal seit langem, dass ich etwas mit "nur" einem Jungen mache, ohne, dass ich dazu mehr oder weniger "gezwungen" wurde. Es klingt lächerlich und ich schäme mich oft sehr dafür, dass ich nicht mal eine annähernde Freundschaft mit einem Jungen auch nur in Erwägung ziehen kann, weil ich weiß, dass ich total abblocken werde. Am meisten stört mich daran eigentlich, dass ich keinen Grund dazu habe, so auf Freundschaften mit Jungs zu reagieren - ich könnte es auf J. oder Nico schieben, aber sie haben es lediglich schlimmer gemacht, so durchgedreht bin ich schon vorher. Es ist nicht so, dass es mir schwer fällt mit Jungs im Allgemeinen zu reden (bei Gruppenarbeiten oder in der Gruppenstunde der Ministranten habe ich keine Probleme), aber sobald sich irgendetwas zu entwickelt scheint, dass auch nur ein wenig an Freundschaft erinnert, baue ich eine Mauer auf, halte ganz plötzlich möglichst viel Abstand - ich kann nichts dagegen tun und das finde ich einfach nur schade, da ich denke, viel zu verpassen und das meine ich lediglich im Schreiber-Sinne. Ich glaube, dass ich einfach viele Besonderheiten wie zum Beispiel Ticks verpasse, weil ich die Menschen nicht gut genug kenne - und von solchen Details leben meine Geschichten.
Mit F. war das heute anders und das hat mir neue Hoffnung gegeben. Was jedoch auch gut daran liegen könnte, dass ich weiß, dass ihn nicht wirklich viele Leute aus meiner Klasse mögen, ganz im Gegensatz zu mir. Ich mag ihn und auf eine gewisse Art und Weise fasziniert er mich. Davon abgesehen ähnelt er G. und ich mag G. sehr. Nicht im "Ich bin verliebt"-Sinne, sondern rein freundschaftlich und immer, wenn ich mal wieder merke, dass meine Klasse ihn größtenteils nicht leiden (eine Klassenkameradin meinte letztens zu ihrer Freundin "Lass G. mal anzeigen, ich hab Bock auf Beef") und gerade deswegen habe ich noch mehr den Wunsch, mich mit ihm anzufreunden. Außerdem ertrage ich es nicht, wenn er mal wieder sagt, wie dumm er sei. Ich habe noch nie jemanden widersprechen hören, bisher habe ich das aber immer gemacht und er hat sich jedes Mal so aufrichtig bedankt, dass mein Herz jedes Mal gebrochen ist, so traurig hat mich der Gedanke daran, wie selten er wohl Dinge wie "Du bist nicht dumm" zu hören bekommt, dass er für so etwas so ehrlich bedankt. Trotz allem habe ich immer noch nicht den Mut gefasst, ihn mal zu fragen, ob wir uns nicht vielleicht mal treffen wollen - zu groß ist die Angst, dass meine Sowaswiebindungsängste auftreten, ich abblocke, Panik kriege. Aber ich arbeite dran und irgendwie hoffe ich, dass F. mir dabei irgendwie...behilflich sein kann, nachdem das heute so gut geklappt hat.
Jetzt, nachdem ich mir das alles nochmal durchgelesen habe, hört es sich nur noch erbärmlicher an, als es sowieso ist (zumindest in meinen Augen, ich weiß nicht, wie andere das sehen) und ich habe für einen Moment darüber nachgedacht, es einfach zu löschen, nur den Teil mit dem Glas zu veröffentlichen. Aber der zweite Teil ist nun mal genauso wichtig und auch, wenn F. durch seinen Satz "Du bist doch nicht magersüchtig" ebenfalls einen dieser Risse verursacht hat, hat die Zeit heute diesen Riss - der verhältnismäßig groß war - wieder einigermaßen reparieren können und auch deshalb werde ich diesen Teil so stehen lassen. Er gehört zu mir. So ist das nun mal.
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